5 häufige Praxisfragen zu LinkedIn

In den vergangenen Monaten haben wir einige Trainings zu Business Networks durchgeführt, immer häufiger spezifisch zu LinkedIn. Aus diesen Schulungen haben wir fünf Fragen zusammengestellt, die uns immer wieder gestellt wurden – und es deshalb verdienen, einmal öffentlich beantwortet zu werden.

Sich ein aussagekräftiges Profil bei LinkedIn anzulegen, hört sich ganz einfach an, macht aber schnell einmal mehr Arbeit als gedacht. Und immer wieder tauchen Fragen auf, die man sich in dieser Form zuvor gar nicht gestellt hat. Genau zu jenen wollen wir hier ein bisschen Hilfestellung geben.

1. Wie öffentlich sollte mein Profil sein?

Wer als Berufsperson in seiner Branche oder für potenzielle Kundinnen und Kunden sichtbar sein möchte, wird hier wohl eher grosszügig sein. Die Freigabe des eigenen Profils für Google hilft zum Beispiel, das eigene Profil in der Suchmaschine gut auffindbar zu positionieren, noch vor den Suchergebnissen anderer Daten-Aggregatoren.

Auch die Freigabe des eigenen Profilbildes für alle User ergibt in der Regel Sinn. Fotos sind sowohl ein signifikanter Teil eines ersten Eindrucks als auch ein prominentes Merkmal zur Wiedererkennung. Speziell relevant ist das, wenn man einen sehr gängigen Namen hat – aber auch sonst erleichtert das Profilbild potenziellen Kontakten das Herstellen einer Verbindung. 

Alle weiteren Einstellungen sind weitgehend davon abhängig, mit wieviel Sichtbarkeit man sich wohl fühlt und was man im Kontext der eigenen Person und Position für sinnvoll hält. Einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Möglichkeiten hat Stefan Koß bei LinkedInsiders veröffentlicht.

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2. Soll ich Anfragen annehmen von Menschen, die ich nicht kenne?

Hier sind Ziel und Zweck der eigenen Präsenz bei LinkedIn zentral: Für mich etwa ist mein Netzwerk nur effizient nutzbar, wenn ich tatsächlich eine Verbindung zu den entsprechenden Menschen habe. Das bedeutet: Ich nehme Kontaktanfragen an von Personen, mit denen ich zumindest entfernt schon einmal zu tun hatte. Das muss kein persönliches Treffen sein – ein Telefonat oder ein digitaler Kontakt reichen aus. Anfragen von Menschen, zu denen ich keinerlei Verbindung sehe, lehne ich recht konsequent ab.

Anders handhabt es Sandro Rüegger, mein Co-Referent heute Abend bei der Veranstaltung des HWZ A-Club an der Hochschule für Wirtschaft Zürich zum Thema Personal Branding. Er ist Partner bei der Roy Hitchman AG im Bereich Executive Search – und dementsprechend unterscheidet sich seine Strategie ganz wesentlich von meiner: «Jeder zusätzliche Kontakt bedeutet, dass der Pool an potenziell passenden Kandidaten für eine interessante Position grösser wird», sagt er. «Da tritt die persönliche Beziehung in den Hintergrund – mein Netzwerk dient durchaus auch dazu, den richtigen Match für einen Mandanten zu begünstigen.» In diesem und ähnlichen Zusammenhängen kann es sich also durchaus auszahlen, andere Kriterien anzuwenden, als ich es tue.

Übrigens: Nur die wenigsten Menschen haben ein Elefantengedächtnis. Beim Versenden von Kontaktanfragen lohnt es sich deshalb, einen kurzen Kommentar mitzusenden – einen Hinweis, woher man einander kennt und einen Gruss, mehr braucht es meist nicht. Nicht nur, weil das freundlich ist: Gerade wenn das Kennenlernen schon eine Weile zurückliegt, erleichtert es dem Empfänger das Zuordnen und Bearbeiten seiner Kontaktanfragen sehr.

3. Muss ich meine gesamte Berufslaufbahn abbilden?

Je kürzer die Laufbahn, desto wertvoller und aussagekräftiger ist es, die gemachten Erfahrungen auszuweisen. Wer schon etwas länger im Berufsleben steht und einige Wechsel gemacht hat, empfindet die ganze Auflistung gerne als «Rattenschwanz» – kann man da nicht etwas weglassen?

Wie immer richten sich die Anforderungen nach den Erwartungen und Bedürfnissen der Zielpersonen. Ich als Dienstleisterin zum Beispiel finde, meine bisherigen beruflichen Stationen sind für meine Kontakte relevant. Sie weisen meine Kenntnisse in verschiedenen Branchen aus, und das ist wertvoll. In einer anderen Situation liessen sich allenfalls Stationen zusammenfassen oder, sofern sie mit der aktuellen Tätigkeit in keinem Kontext mehr stehen, wegkürzen. Die relevanten Berufserfahrungen der vergangenen Jahre sollten jedoch immer nachvollziehbar sein.

Ausserdem bietet LinkedIn die Möglichkeit, die einzelnen Stationen mit Links, Anhängen oder Beschreibungen anzureichern: Welchen Verantwortungsbereich hatte diese Position, was waren die Schwerpunkte? Diese Angaben geben ein besseres Bild über Kompetenz und Erfahrung einer Person, als nur die blosse Nennung von Arbeitgeber und Titel.

4. Wie baue ich mein Netzwerk aus?

Ein Profil anzulegen und auszugestalten, ist natürlich nur die halbe Miete. Das eigene Netzwerk in LinkedIn abzubilden, auszubauen und zu pflegen, bildet den Grundstein für ein erfolgreiches Personal Branding.

Wir bei tinkla fügen zum Beispiel neue Kontakte – ja, aus diesem Offline-Leben – meist zeitnah auf LinkedIn hinzu. Dieses Prinzip der gegenseitig bestätigten Beziehung ist hilfreich, wenn man nach einiger Zeit wieder auf jemanden zugehen möchte. Aus dem Nichts jemanden anzurufen und erklären zu müssen, an welchem Messestand man sich seinerzeit über das Thema XY unterhalten hat, ist selten die pure Freude.

Über die Suchfunktion können ausserdem Profile von Ansprechpartnern in bestimmten Unternehmen oder Positionen gesucht werden. Auch die Suche nach Ausbildungsinstitutionen in der eigenen Vita kann ergiebig sein, um Kontakte wiederzufinden. LinkedIn schlägt zudem Profile von Personen vor, die möglicherweise Kontakte sein könnten. Diese Vorschläge basieren in der Regel auf gemeinsamen Verbindungen zu weiteren Personen.

5. Brauche ich wirklich eine Premium-Mitgliedschaft?

Folgendes unterscheidet einen Premium-Account von einer kostenfreien Basis-Mitgliedschaft:

  • Erweiterte Suchfunktionen
  • Benachrichtigungen zu gespeicherten Suchabfragen
  • Erweiterte History der Mitglieder, die das eigene Profil betrachtet haben
  • Die Möglichkeit, an jedes Mitglied so genannte InMails zu versenden
  • InMail-Nachrichten von jedem Mitglied erhalten

Zu dieser Frage gibt es einen ausführlicheren Artikel von Frederike Gonzalez Schmitz, den ich empfehlen kann. Ich persönlich teile ihre Einschätzung, dass sich ein zahlendes Upgrade nur ab einer gewissen Nutzungsintensität lohnt. Premium-Accounts bei LinkedIn sind mit einem Preis von rund CHF 35 monatlich aufwärts (je nach Edition, bei einem Abschluss für ein Jahr) nicht ganz günstig – es gibt allerdings die Möglichkeit, während eines Monats gratis zu testen, ob man wirklich von den erweiterten Funktionen profitiert.

 

P.S. Eine kurze Zusammenfassung meines Referats beim A-Club habe ich auf Linkedin publiziert.

tl;dr

Die Ausgestaltung des eigenen LinkedIn-Accounts richtet sich primär nach den eigenen Zielen und den Bedürfnissen des dafür relevanten Netzwerks. Ein kostenpflichtiger Account ist meist keine zwingende Voraussetzung.