Bilder und Fotos im Web: Rechtliche Grundlagen

4. Rechtskonformität: Die Checkliste

Keiner liest sich das gerne durch: Lizenz- und Nutzungsbedingungen eines Bildanbieters könnten ausgedruckt ein ganzes Buch füllen. Zumindest annäherungsweise aber kann man das Thema Verwendung von Bildern auf vier einfache Formeln herunterbrechen, die sich aus Nutzungsbedingungen und rechtlichen Vorschriften ergeben:

  • Bilder, Fotografien oder Zeichnungen dürfen nicht ohne die Zustimmung des Urhebers oder der Urheberin verwendet werden (Urheberrechtsgesetz).
  • Personen dürfen nicht ohne ihre Zustimmung abgebildet werden (das Recht am eigenen Bild).
  • Markenrechtlich geschützte Gegenstände dürfen für kommerzielle Zwecke nur mit einer Erlaubnis als Motiv verwendet werden (Markenschutzgesetz).
  • Für eine Veröffentlichung auf einer Social-Media-Plattform, etwa Facebook oder Twitter, müssen deren Nutzungsbedingungen beachtet werden. Auch für die Veröffentlichung auf Ihrer eigenen Website gibt es einige Dinge, die Sie beachten müssen.

Kehrt man das Spiel um, müssen Sie vor jeder Bildverwendung folgende Fragen klären:

  1. Haben Sie das notwendige Einverständnis vom Urheber, das Bild zu veröffentlichen?
  2. Haben Sie die Zustimmung der abgebildeten Personen oder das Recht, Bilder über diese zu veröffentlichen?
  3. Haben Sie die Richtlinien der verwendeten Plattform und Gesetze etwa zum Jugendschutz beachtet?

Keine Angst übrigens: In der Praxis werden Ihnen viele dieser Pflichten leichter gemacht, als es hier klingt. Sie müssen nicht stets einen Anwalt neben der Tastatur sitzen haben. Leichter wird Ihnen der Umgang mit Bildern im Netz fallen, wenn Sie einige wenige Regeln genau studieren und im Hinterkopf behalten.

5. Urheberrecht

5.1 Urheberpersönlichkeitsrecht

Das Urheberrecht meint das Herrschaftsrecht über das eigene Werk. Es besteht auf jeglicher Art von kreativen Erzeugnissen, also etwa für Musik-Kompositionen, Gemälde und Texte ebenso wie für Videos und Fotos. Es schützt also geistige Schöpfungen, wenn diese einen individuellen Charakter haben. In den allermeisten Fällen können Sie davon ausgehen, dass auf Bilder ein Schutzanspruch besteht. Oder salopp formuliert: Wer ein Foto macht, hält in den allermeisten Fällen auch zunächst die Rechte daran. Der Schöpfer eines Bildes ist immer eine natürliche Person, selbst wenn diese die Rechte an ein Unternehmen ganz oder teilweise abtritt.

5.1.1 Urheberpersönlichkeitsrecht

Das Urheberpersönlichkeitsrecht gibt dem Urheber das Recht, bei einer Verwendung des Bildes immer genannt zu werden – es sei denn, er verzichtet ausdrücklich darauf. Der Urheber kann ausserdem auf Werkintegrität pochen, womit er darauf besteht, dass sein Bild ohne seine Erlaubnis nicht verändert wird. Das Urheberpersönlichkeitsrecht ist beständig. Es lässt sich nicht übertragen, abtreten oder per Lizenz veräussern. Was Sie geschaffen haben, kann Ihnen keiner mehr nehmen. Geht es aber um die Verwendung der Bilder, kommen beschränkte Nutzungsrechte ins Spiel.

5.1.2 Beschränkte Nutzungsrechte

Die beschränkten Nutzungsrechte geben dem Urheber das Recht, mit seinem Werk Geld zu verdienen. Die Nutzung kann für eine Entschädigung aber auch übertragen werden, wenn ein Fotograf etwa für einen Auftraggeber ein Foto schiesst. Anders als das Urheberpersönlichkeitsrecht lässt sich das Urhebernutzungsrecht abtreten oder per Lizenz veräussern. Zum Beispiel an eine Bildagentur als Zwischenhändler.

Selbst wenn der Urheber die Nutzungsrechte abtritt oder anderen gewährt, das Bild zu nutzen und damit Geld zu verdienen – seine Persönlichkeitsrechte kann er damit nicht verlieren. Er kann auch weiterhin darauf bestehen, dass er als Urheber genannt wird und sein Bild nicht verändert wird. So viel zur grauen rechtlichen Theorie.

Im Zweifel für den Urheber: Nach Schweizer Recht muss für die Nutzung eines Bildes eine Erlaubnis vorliegen, in der festgehalten ist, was ein Nutzer darf und was nicht. Zwar kann diese Erlaubnis im Prinzip mündlich vorliegen, eine schriftliche Formulierung ist aufgrund einer höheren Rechtssicherheit aber immer empfehlenswerter.

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5.2 Drei Nutzungsarten von Bildern

Drei Arten von Bildern können Sie in der Praxis vorfinden:

  • Geschützte Bilder (alle Rechte vorbehalten, all rights reserved): Eine blosse Quellenangabe und/oder die Nennung des Urhebers reicht nicht. Sie brauchen hier in jedem Falle die Zustimmung des Rechteinhabers. Und sofern nicht anders angegeben, trifft das auf alle Bilder zu, die Sie im Netz finden.
  • Vorlizenzierte Bilder: Hier ist die Nutzung unter bestimmten Bedingungen gestattet. Sie dürfen die Bilder verwenden, wenn Sie sich an die Bestimmungen aus der Lizenz halten. Vor allem Creative-Commons-Lizenzen arbeiten nach diesem Prinzip. Sie erlauben dem Urheber, einige oder alle Nutzungsrechte an dem Bild freiwillig abzutreten. Welche das sind, ist in der jeweiligen Lizenz klar festgehalten.
  • Freie Bilder (auch gemeinfrei, free oder public domain genannt): Hier hat ein Urheber die Bildrechte entweder explizit abgetreten oder sie sind bereits erloschen. (In der Schweiz geschieht das 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.)

Recherchieren Sie ganz genau, welcher Art der Nutzung die Bilder sind, die Sie ver-
wenden wollen. Im Zweifelsfalle verzichten Sie lieber auf die Nutzung, denn die Chance, dass es sich um ein geschütztes Bild handelt, ist immer grösser.

5.3 Einschränkungen des Urheberrechts

Auch wenn Sie Urheber eines Fotos sind: Nicht alles, was Sie fotografieren, entspringt zwangsläufig Ihrer Schöpfungskraft. Es gibt einige Einschränkungen, die wir im Folgenden kurz vorstellen wollen:

5.3.1 Fotografieren im öffentlichen Raum

Fotografieren im öffentlichen Raum ist in der Schweiz fast immer gestattet. Das Recht nennt sich Panoramafreiheit: Auf der Strasse, in der Natur und vor öffentlich zugänglichen Gebäuden dürfen Sie fotografieren. Das schliesst auch Gebäude und Kunstwerke mit ein, die sich bleibend auf allgemein zugänglichem Grund befinden. Ganz so selbstverständlich, wie das klingt, ist es nicht: Eine Regelung für eine Anerkennung der Panoramafreiheit in der gesamten Europäischen Union (EU) ist 2015 gescheitert. Es steht den EU-Staaten aber weiterhin frei, nationale Regelungen zu erlassen.

Deshalb stellt sich die Rechtslage in jedem Land anders dar: In der Schweiz, sowie auch in Österreich und Deutschland gilt die Panoramafreiheit auch zu kommerziellen Zwecken, aber nicht in Innenräumen. In Frankreich, Italien und vielen anderen Ländern gibt es derweil faktisch keine Panoramafreiheit. Informieren Sie sich also vorher sicherheitshalber über die geografischen Unterschiede, bevor Sie Ihre Urlaubsfotos ins Netz stellen.

5.3.2 Aktualitätsprivileg

Wenn es sich um ein aktuelles Ereignis handelt, etwa eine Vernissage oder eine Ausstellung, dann dürfen Sie im Rahmen einer Berichterstattung auch urheberrechtlich geschützte Werke im Bild wiedergeben. Voraussetzung ist, dass es sich dabei um ein aktuelles Ereignis handelt und Sie für ein Medium arbeiten. Natürlich dürfen Sie das nur, wenn in dem betreffenden Museum Fotografieren erlaubt ist und man es auch für das konkrete Ereignis nicht ausdrücklich untersagt hat. Fragen Sie im Zweifelsfalle bei der Museumsleitung nach.

5.3.3 Spezialfall Bildzitate

Zitate, wie man sie aus Texten kennt, sind in der Schweiz auch für Bilder erlaubt. Das Zitat muss dabei allerdings dem restlichen Inhalt untergeordnet bleiben, der Umfang muss sich auf das erforderliche Mass beschränken, es muss einem bestimmten Zweck dienen und nicht zuletzt entweder als Zitat gekennzeichnet werden oder als solches erkennbar sein. Und natürlich muss dabei auch die Quelle genannt werden.

Beispiel: Sie schreiben einen Blogbeitrag über ein politisches Streitgespräch in einer Fernsehtalkshow. Sie bebildern Ihren Beitrag mit einem Screenshot, den Sie der Mediathek des Fernsehsenders entnommen haben. Natürlich geben Sie dabei die Quelle an. Ihr Beitrag darf dabei nur einen Ausschnitt des Gesprächs enthalten, nicht etwa Hunderte Bilder oder – falls nicht ausdrücklich gestattet – das ganze Video der Talkshow. In Ihrem Beitrag müssen Sie sich ausserdem mit dem Bild und dem darauf Abgebildeten auseinander setzen. Es genügt nicht, das Bild allein zur Illustration zu verwenden. Es muss klar erkenntlich sein, warum die Nutzung des Bildes für Ihren Beitrag notwendig ist. Oft eignet sich ein Screenshot gut dafür.

5.4. Urheberrechtliche Abmahnungen

Wer im Web ein urheberrechtlich geschütztes Bild veröffentlicht, ohne dazu berechtigt zu sein, muss mit einer kostenpflichtigen Abmahnung rechnen: Abmahnungen dienen dazu, jemanden aufzufordern, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen. Im Web geht es meist um Bilder, die ohne notwendige Berechtigung auf Websites oder auf Social- Media-Plattformen veröffentlicht wurden. Abmahnungen können ein sinnvolles Mittel sein, um rechtliche Auseinandersetzungen einvernehmlich zu klären, ohne dass mit noch höheren Kosten vor Gericht geklagt oder gar ein Strafverfahren eröffnet werden muss.

Abmahnungen umfassen fast immer Forderungen nach Schadenersatz für die unberechtigte Nutzung. Bei Abmahnungen aus Deutschland kann die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung gefordert werden. In vielen Fällen ist tatsächlich eine Urheberrechtsverletzung gegeben und eine Abmahnung deshalb berechtigt. Allerdings werden Abmahnungen teilweise missbraucht, beispielsweise von wirtschaftlich nicht erfolgreichen Fotografen, die Urheberrechtsverletzungen geradezu provozieren, um mit Abmahnungen Geld zu verdienen. In Deutschland besteht ein besonderer Anreiz dazu, weil etwaige Anwaltskosten grundsätzlich von den Abgemahnten bezahlt werden müssen.

Der geforderte Schadenersatz richtet sich häufig nach der so genannten Lizenz-
analogie: Abgemahnte sollen mindestens so viel zahlen, wie eine rechtmässige Lizenz gekostet hätte. In Deutschland können Zuschläge dazukommen, unter anderem für die unterlassene Urhebernennung. Bei Getty Images und anderen Bildagenturen können die heutigen Lizenzkosten online abgerufen werden, ansonsten werden Branchen-Preisempfehlungen angewendet: In Deutschland jene der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM), in der Schweiz jene der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Bild-Agenturen und -Archive (SAB).

Abmahnungen, auch aus Deutschland, sollte man nicht ignorieren, sondern sorgfältig überprüfen und danach über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Rechtslage ist häufig nicht so einfach, wie sie in Abmahnungen dargestellt wird, und je nach Sachverhalt gibt es zumindest Verhandlungsspielraum über den zu bezahlenden Schadenersatz. Im Zweifelsfall lohnt sich die Beratung durch eine Fachperson wie einen qualifizierten Rechtsanwalt.

6. Persönlichkeitsschutz & Fotografieerlaubnis

Das Schweizer Recht schützt Privatpersonen mit dem Recht am eigenen Bild. Das bedeutet, dass Personen, die Sie fotografieren, einer Veröffentlichung und jeder einzelnen Verwendung des Bildes zustimmen müssen. Das dient dem Persönlichkeitsschutz, und dafür gibt es gute Gründe.

Ausnahmen gibt es aber natürlich auch: So überwiegt öffentliches Interesse. Amts-
träger und Personen der Zeitgeschichte dürfen in vielen Fällen fotografiert werden. Dazu zählen vor allem Prominente und Politiker. Aber auch Privatpersonen, die etwas Aussergewöhnliches und von öffentlichem Interesse tun, dürfen für journalistisch orientierte Publikationen fotografiert werden. Vor einer Veröffentlichung müssen die Personen dann unter Umständen unkenntlich gemacht werden. Beachten Sie den zivilrechtlichen Persönlichkeitsschutz und den Journalistenkodex des Schweizer Presserats!

Auch Menschen in grösseren Gruppen dürfen Sie fotografieren, sowie Passanten vor einem öffentlichen Gebäude, sofern diese nicht im Mittelpunkt der Bildaussage stehen.

Ähnlich wie mit dem Recht am eigenen Bild verhält es sich mit Marken und Gegenständen. Wollen Sie etwa das Logo des Burgerbraters McDonald’s für Werbezwecke abbilden, dann müssen Sie sich dafür die Erlaubnis des Unternehmens einholen (die Sie höchstwahrscheinlich nicht bekommen dürften). Auch wenn das Logo eines Unternehmens Hauptbestandteil eines Bildes ist, dürfen Sie dieses nicht ohne Fotografieerlaubnis (property release) für redaktionelle Zwecke verwenden. Ausnahmen sind Bildzitate, Beschreibungszwecke und das Aktualitätsprivileg. Erlaubt ist auch das Veröffentlichen von Fotos, in denen ein Markenschriftzug nur im Hintergrund auftaucht – etwa bei einem Stadtporträt.

Seriös arbeitende Agenturen, die Personen oder Marken auf Fotos abbilden, haben sich dafür im Regelfall schon die Rechte eingeholt und geben sie Ihnen bei einer Lizenzierung weiter. Achten Sie bei einem Bildkauf auf jeden Fall auf die so genannte Modelfreigabe (model release).

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