Employee Advocacy: Mitarbeiter zeigen oder verstecken?

Mitarbeitende sind die besten Botschafter für ein Unternehmen. Deshalb müssen sie auf einer Website prominent und ausführlich vorgestellt werden. Einige Hinweise und Beispiele, wie gut gemachte Teamseiten aussehen können.

In den letzten Monaten und Jahren bin ich einigen Teamseiten begegnet und habe immer wieder festgestellt, dass Mitarbeitende darauf nicht abgebildet sind. Das irritiert mich, weil unsere eigene Teamseite eine der meist besuchten Seiten unserer Website ist: Menschen interessieren sich für Menschen. Und: Menschen arbeiten gemeinsam an Projekten. Nicht Firmennamen.

Bild: Caleb Woods / Unsplash.com

Teamseiten: Pflicht für Dienstleister

Von jemandem, der ohnehin nur einen minimalen Webauftritt hat und knapp seine Angebot abbildet, erwarte ich keine ausführliche Team-Übersicht. Auch nicht von grossen Unternehmen mit hunderten oder gar tausenden von Angestellten oder bei Online-Shops, bei denen ich Produkte einkaufe, ohne je mit einem Angestellten in Kontakt zu kommen. Anders sieht es bei Dienstleistern aus, die davon leben, die Zeit und das Wissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Kunden zu verkaufen. Also Firmen aus den Bereichen Consulting, Marketing, SEO, Social Media, Webumsetzungen, Kommunikation oder ähnlichem. Bei diesen Unternehmen will ich sehen, mit wem ich es zu tun habe, was die Leute können, welchen beruflichen Hintergrund sie mitbringen oder gar, womit sie sich in ihrer Freizeit gerne beschäftigen. Vielleicht arbeite ich später mit diesen Menschen über längere Zeit an einem Projekt, und möchte deshalb von Anfang an ein Gefühl dafür kriegen, ob die Chemie stimmt.

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Da stellt sich mir die Frage: Wieso verzichten Dienstleister darauf, ihre Mitarbeitenden zu präsentieren?

Das Experiment: Einfach mal nachfragen

Bei verschiedenen Gelegenheiten und Gesprächen habe ich mich erkundigt, weshalb Mitarbeitende nicht auf einer Team- oder Über-uns-Seite aufgeführt werden. Im einen oder anderen Fall gibt es triftige Gründe für diesen Entscheid, dachte ich zumindest. Die Antworten fielen allerdings enttäuschend aus:

  • Wir finden nicht, dass das nötig ist.
  • Wir möchten nicht, dass die Konkurrenz einen Mitarbeiter kontaktiert und abwirbt.
  • Wir möchten nicht, dass Headhunter die Direktnummer von Mitarbeitern haben.
  • Der Chef ist sonst sehr fortschrittlich, aber das möchte er einfach nicht.

Aus meiner Sicht ist kein Grund darunter, weshalb die Mitarbeitenden nicht auf der Website aufgeführt sind. Ein Headhunter wird andere Wege finden, einen potenziellen Kandidaten zu kontaktieren. Dasselbe gilt für Konkurrenten.

Beispiele für gute Teamseiten

Ich empfehle deshalb wirklich dringend, Mitarbeitende auf einer Teamseite vorzustellen. Wie sollte das aussehen? Wir haben Beispiele für gute Teamseiten gesucht. Was alle Seiten gemeinsam haben, sind folgende drei Punkte:

  • Die Mitarbeitenden sind auf der Website mit Foto abgebildet.
  • Die Position oder Aufgabe des Mitarbeiters ist auf den ersten Blick ersichtlich.
  • Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin kann zumindest per Mail und telefonisch kontaktiert werden.

Campfire aus Biel ist eine Firma mit sechs Mitarbeitern. Die Mitarbeiter werden mit Bild gezeigt und vorgestellt. Die Mailadresse und Telefonnummer wird bei allen Teammitgliedern angezeigt. So hat jeder die Möglichkeit, eines der Teammitglieder anzuschreiben oder anzurufen.

(Screenshot: campfire.ch/team)

Supertext aus Zürich ist das Beispiel für eine Firma mit etwa 45 Mitarbeitenden. Alle 45 Teammitglieder werden gezeigt, beschrieben und können über die klassischen Kanäle und über die persönlichen Social-Media-Profile kontaktiert werden.

(Screenshot: blog.supertext.ch/author/remy)

Namics aus St. Gallen ist ein schönes Beispiel einer mittelgrossen Firma mit rund 500 Mitarbeitern. Die Menschen werden mit grossem Bild vorgestellt und können direkt kontaktiert werden. Zudem findet man bei jeder Person die Info, zu welchem Team und Standort sie gehört.

(Screenshot: namics.com/person/benedikt-vogel)

Einen anderen Weg müssen Unternehmen suchen, die Tausende von Mitarbeitenden beschäftigen. Der Grosskundenbereich von Swisscom hat damit begonnen, ausgewählte Experten und Expertinnen auf der Website vorzustellen. Sehr ausführlich wird dort ihre Tätigkeit und ihr Hintergrund beschrieben, ergänzt um Links zu Content, den sie produziert haben.

(Screenshot: swisscom.ch/de/business/enterprise/experten/frangi-raphael.html)

Diese Beispiele von klein bis gross zeigen, dass weder die Grösse des Unternehmen noch diverse Standorte eine Hürde sein sollte, seine Botschafter zu zeigen.

Mitarbeiter als Botschafter positionieren

Diese Teamseiten sind aus unserer Sicht der erste Schritt dahin, Mitarbeitende als Firmenbotschafter zu positionieren. Denn: Mitarbeitende knüpfen Beziehungen, positionieren sich als Experten in ihren Bereichen und gewinnen das Vertrauen bei Kunden. Das alles überträgt sich positiv auf das Unternehmen – sofern man denn sieht, welche MitarbeiterInnen zum Unternehmen gehören. Und umgekehrt tragen Mitarbeitende die Firmenkultur nach aussen, zeigen ihre Arbeit und «werben» so für ihren Arbeitgeber. Vorgesetzte, die ihre Mitarbeitenden zudem noch motivieren und befähigen, persönliche Online-Profile zu pflegen, können das Potenzial ihres Teams noch besser nutzen. (Mehr Informationen darüber, wie Mitarbeitende zu Firmen-Botschafter werden, hat Marcel Brandtner von Swisscom beschrieben. Und für den Fall, dass Mitarbeitende keine Botschafter sein wollen, hätten wir auch noch ein bis zwei Ideen.)

Entscheidung überdenken, Mitarbeitenden eine Chance geben

Allenfalls macht es Sinn, die Entscheidung über die Art der Mitarbeiter-Präsentation, regelmässig zu überdenken und zu hinterfragen. Meiner Erfahrung nach zahlt es sich aus, Mitarbeitende in den Fokus zu rücken und darauf zu vertrauen, dass sie nicht bei erster Gelegenheit zum Konkurrenten wechseln.

tl;dr

Mitarbeitende von Dienstleistungsbetrieben gehören auf der Website aufgeführt. Und zwar im Idealfall mit Bild, Position, Beschreibungstext und Kontaktmöglichkeiten.

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