Fünf Podcasts für uns Kinder des Internets

2017 werde DAS Podcast-Jahr, habe ich wiederholt gelesen in den letzten Wochen. Für mich persönlich waren ja schon 2014, -15 und -16 Podcast-Jahre. Da dachte ich mir, ich suche aus meiner Aboliste mal fünf Empfehlungen raus für euch.

Bild: Karin Friedli

Meine Wortmeldungen in Gesprächen bestehen in letzter Zeit immer öfter aus Erzählungen oder Zitaten aus Podcast-Episoden. Etwa so, wie man früher in Konversationen auf Fernsehsendungen als kulturelles Allgemeingut verwies – mit dem kleinen Unterschied, dass ich damit oft ziemlich alleine bin. Immer öfter werde ich allerdings nach konkreten Hör-Empfehlungen gefragt. Darum habe ich für euch heute fünf Podcasts zusammengestellt, die sich im engeren oder weiteren Sinne mit dem Internet beschäftigen.

Die Aufzählung ist nicht abschliessend, ein bisschen wertend und eben, thematisch grob auf Web-Themen und Angrenzendes beschränkt. Wer anderes wissen will, immer fragen – meine persönliche Favoritenliste wächst stetig und ich empfehle gerne (wie z.B. hier oder hier).

Ausserdem: Die sind leider alle in englischer Sprache, weil mich bisher kein vergleichbares deutsches Format gepackt hat. Empfehlungen werden sehr gerne in den Kommentaren entgegen genommen.

1. Reply All

Reply All ist in dieser speziellen Liste völlig zu Recht meine Nummer Eins: Ich liebe PJ Vogt und Alex Goldman, die das produzieren. Sie sind schlau, nerdy, lustig, furchtlos und… nun, gäbe es eine Bravo für Erwachsene, wären sie ein bisschen meine Poster Boys. Ich freue mich auf jedes neue Yes Yes No (die Jungs erklären ihrem Chef seltsame Dinge aus dem Internet), auf jedes Experiment (Mikrodosierung von LSD, joah) und jede wilde Story (zwei Jahre lang eine Forengeschichte verfolgen, um am Ende diesen einen Typen auf einem Foto zu finden). Falls Podcast-Aficionados mitlesen: Ja, PJ und Alex sind die beiden, die früher TL;DR gemacht haben.

In der aktuellen Folge lernen wir einen Arzt kennen, der sich mit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) beschäftigt und vor zehn Jahren plötzlich erkannte, wie das Internet das Verhalten seiner Patienten verändert. Lohnt sich zu hören. Oh, und die Ads in der Episode sind super.

2. Note To Self

Während Reply All tendenziell in der Wundertüten-Liga spielt, zielt Manoush Zomorodi mit Note to Self mehr so auf die grossen Themen des Lebens: «The tech show about being human.» geht der Claim dazu. Das heisst nicht zwingend, dass einem das als Hörerin oder Hörer weniger Spass macht, aber rein thematisch sind wir hier zuverlässiger auf der ernsthaften Seite. Reinhören lohnt sich allemal. Momentan aktuell: Neujahrsvorsatzgedöns wie überall, kann man immer brauchen.

Die Folge, an die ich am häufigsten zurückdenke: Manoush bittet ihren Kollegen Kevin Roose, sich einem persönlichen Pentest auszusetzen: Dem Versuch also, ob und falls ja wie einfach sich jemand komplett fremdes sich Zugang zu kritischen Daten verschaffen kann. Der Grund, warum mir das so in Erinnerung geblieben ist, ist nicht mal, dass ich mir darüber andauernd Sorgen mache – sondern weil das tatsächlich ziemlich aufschlussreich war (auch, dass vieles ganz ohne Technik geht, wenn man bloss weiss wie). Und zugegeben, manchmal denke ich kurz darüber nach, doch vielleicht irgendwas vor meine MacBook-Kamera zu kleben. Hm.

3. a16z

Wer sich mehr für die Business-Ecke interessiert, wird sich bei a16z zuhause fühlen. Die Episoden werden von der Venture Capital-Gesellschaft Andreessen Horowitz produziert und beschäftigen sich ziemlich umfassend mit der digitalen Dimension von Business, Technik und Gesellschaft. In der Regel werden die gesetzten Themen im Rahmen Interviews mit verschiedenen Experten aus einem Fachgebiet behandelt, beim Thema Microservices zum Beispiel mit Adrian Cockcroft von Netflix, das es ja schon viel länger gibt, als mir bewusst war und das einen ganz schönen Wandel durchgemacht hat.

Die erste Folge, die ich selber gehört habe, trug den vielversprechenden Namen «It’s complicated!» mit dem Komplexitätsforscher Samuel Arbesma. Ich fand, das war ein ziemlich guter Einstieg, deshalb findet ihr sie hier.

4. Buzzfeed’s Internet Explorer

Ehrlich gesagt: Buzzfeed hatte mich schon mit dem Namen der Show in der Tasche, logisch. Als MSIE-traumatisierte muss ich das lustig finden, dass das Format Internet Explorer heisst. Ansonsten ist es, nun ja, Buzzfeed: eher laut, eher bunt, ein bisschen Popkultur und ein bisschen Katzenvideos – einfach ohne Bild. Irgendwie.

«We Made Someone With 125,000 Unread Emails Clear Her Inbox» (mit einem Disclaimer vorneweg, dass Leuten mit einem Inbox Zero-Fetisch dabei durchaus übel werden könnte), Betrachtungen über Satire-Accounts auf Twitter oder die Social Media-Aktiviäten des IS – es ist für jeden was dabei.

5. DTR

Zu guter Letzt: Ein Podcast zum Thema Online-Dating. Es handelt sich hier um sogenannten «Branded Content», bezahlt von Tinder und produziert von Gimlet Creative – das ist der Teil von Gimlet Media (Herausgeber von Reply All, siehe oben), der sich mit dem Geld verdienen über das Verkaufen von Werbung in den eigenen Verlagsprodukten hinaus beschäftigt.

Ich war ein bisschen skeptisch, aber das Team hat mit einem ähnlichen Produkt für ebay schon einmal einen guten Job gemacht, und nachdem die ersten beiden Episoden eher ein bisschen lauwarm waren, fand ich die Folgen drei und vier gut erzählt. DTR darf gerne in meiner Aboliste bleiben.

 

P.S. Und noch ein bisschen Nachschlag für jene von euch, die explizit auf der Suche nach Branchen-Podcasts waren:

tl;dr

Mein Fangirl-Score für Reply All liegt bei 10 von 10 Punkten, doch man kann auch andere Podcasts übers Internet hören. Muss man aber nicht.

  • Veröffentlicht in: Web

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