Live streamen mit dem Smartphone: So meisterst du das

Mit einem Smartphone trägt man einen ganzen Haufen technischer Möglichkeiten in der Hosentasche herum. Aber reicht das am Ende für eine komplette Produktion? Wir sagen: ja. Und wir erklären dir, wie man es macht.

Bild: Michael Eugster | Equipment Livestream Smartphone

Schon früher im Jahr haben wir uns mit einem möglichen Setup fürs mobile Videostudio beschäftigt. Für unser #rentnerfragt-Projekt zum Digitaltag am 21. November wollten wir es jetzt mal richtig wissen:

Mein Smartphone sollte während eines ganzen Tages neun verschiedene Interviewsituationen live streamen. In diesem Blogbeitrag erzähle ich dir, wie wir das gemacht haben und mit welchem Equipment du das auch kannst.

First things first: Die Anforderungen

Als erstes haben wir uns angeschaut, was uns in anderen verfügbaren Livestreams genervt hat – denn genau das wollten wir natürlich nicht. Potentielle Ärger-Faktoren sind:

  • Schlechter Ton
  • Unterbrüche
  • Wackeliges Bild
  • Kaum sichtbare Personen
  • Fehlende Informationen zum Stream

Die Reihenfolge entspricht ziemlich genau den Prioritäten: Am Wichtigsten ist es, dass man sprechende Personen im Video versteht. Wer sich bei einem Video anstrengen muss, um zu hören, was da gerade gesagt wird, ist meist schnell wieder weg.

Unser Setup sollte also all diese Risiken soweit wie möglich ausschalten. Weiter sollte es immer noch kompakt genug sein, um uns nicht einen Tag lang bepackt wie die Maultiere durch Zürich laufen zu lassen.

Das #rentnerfragt-Setup

Bild: Thomas Mauch | Das #rentnerfragt Livestream-Setup

Anhand der definierten Anforderungen haben wir unsere Ausrüstung für den Tag zusammengestellt. Im Einsatz waren konkret:

  • 1 Rig: Shoulderpod X1 (grazie mille Nadia und Ina von Content & Töchter fürs Ausleihen!)
  • 2 Funk-Mikrofone: Sennheiser Funkmikrofone (Ansteck- und Handmikrofon sowie ein Empfänger)
  • 1 LED: Yongnuo YN-300 Air Pro mit Akku
  • 1 Smartphone: iPhone 7
  • 1 Adapter fürs Smartphone (Lightning Camera Adapter und USB-Soundkarte)
  • 2 Apps: Facebook Seitenmanager und Apogee MetaRecorder
  • Nicht zu vergessen das übliche Notfallpäckli: Powerbanks, Ladekabel, Batterien, Kabelbinder und Klebeband – man weiss ja nie.

1. Das Rig: Maximale Kontrolle, minimales Kabelgefummel

Als sehr praktisch hat sich das Shoulderpod X1 herausgestellt, denn so konnte ich die LED, den Funkempfänger und das iPhone 7 direkt auf dem Rig befestigen. Das hat den Vorteil, dass der grösste Teil von potentiellem Kabelgefummel wegfiel und ich als einziges externes Kabel den Stromanschluss zur Powerbank hatte. Zudem war die Kameraführung deutlich weniger wacklig, als wenn ich «von Hand» gefilmt hätte. Dank Nadia und Ina konnten wir mit diesem Rig den ganzen Tag streamen und fürs nächste Projekt steht es schon auf unserer Einkaufsliste.

2. Funkmikrofone: Ausreichend Ton und viel Komfort

Ein wichtiger Teil in unserem Fall war das Sennheiser Funkmikrofon. Grundsätzlich kann man anstelle eines Funkmikrofons auch gut zum günstigeren, kabelgebundenen iRig greifen – mit mehreren Gesprächspartnern war es aber schon sehr praktisch, ein kabelloses Handmikrofon zu haben. So konnten wir garantieren, dass unsere Zuschauer auch immer hören konnten, was unsere Gäste und unser Rentner Werner zu sagen hatten.

Fürs eingesetzte Produkt spricht ausserdem, dass der Ton sogar dann verhältnismässig gut blieb, wenn unsere Gesprächspartner mal so gefesselt voneinander waren, dass das Halten des Mikrofons etwas aus dem Fokus geriet.

3. Mit LED unabhängig von Lampen und Fenstern

Die LED hat sich als viel praktischer herausgestellt als ursprünlgich gedacht. Das kleine Ding zum günstigen Preis hat seinen Dienst hervorragend getan und den ganzen Tag die Gesichter ausgeleuchtet, wo die Lichtsituation schwierig war. Es dürfte zum Beispiel den Last-Minute-Termin mit Tim Dührkoop gerettet haben, das aus reisetechnischen Gründen im Bohemia stattfand, wo alle hellen Fensterplätze bereits besetzt waren. Kein Problem für uns: Licht haben wir ohne grossen Aufwand selber.

4. Das Smartphone

Spielt es eine Rolle, ob man mit einem iPhone streamt oder mit einem anderen Fabrikat? Vermutlich nicht. Wichtiger ist, ein Gerät zur Hand zu haben, dessen Bedienung einem vertraut ist.

5. Software: Streamen und speichern

Wir haben über den Facebook Seitenmanager gestreamt. Das hat fast immer gut funktioniert – zwei Mal gab’s einen Absturz gleich beim Start des Streams, der zweite Versuch hat dann aber jedes Mal wieder geklappt. Am Ende des Streams lässt sich übrigens das Material in HD auf dem Smartphone speichern; das sollte man machen, um das Material in guter Qualität zur Nachbearbeitung zur Verfügung zu haben.

Was sich nachträglich von Facebook herunterladen lässt, ist leider nur in SD gehalten. Seltsam, dass die App keinen nachträglichen HD-Upload anbietet. Wer mit dem persönlichen Facebook-Profil streamt, kann im Anschluss ans Livestreaming noch die hochauflösende Videodatei hochladen und so nachträglich die Qualität verbessern. Das geht komischerweise beim Seitenmanager (noch?) nicht.

Den Apogee MetaRecorder habe ich übrigens verwendet, um während den Livestreamings über Kopfhörer den Monitor des Mikrofons abzuhören. Öffnet man die App und lässt sie im Hintergrund laufen, hört man weiterhin, was an Audio reinkommt. Mit dem Facebook-Seitenmanager alleine geht das leider nicht.

6. Kabel, Adapter, Akku, Notfallmaterial

Das ist übergeordnet gesehen ziemlich selbsterklärend: Alles was verbunden werden muss, sollte verbunden werden können, und Strom dabei zu haben empfiehlt sich auch. Was uns erstaunt hat: Wir haben wesentlich weniger Akku-Reserven gebraucht, als wir befürchtet hatten. Dennoch rate ich zu einem gesunden Mass an Paranoia, was das angeht.

 

Gerüstet für weitere Abenteuer

Wenn das Setup mal steht, kann man sich aufs Wesentliche konzentrieren: Den Inhalt. Unser Equipment haben wir am 21. November in dieser Form und Kombination zum ersten Mal eingesetzt. Für jede weitere Idee hätten wir es innert kürzester Zeit und ohne viel Überlegen zum Einsatz verfügbar, denn alle Komponenten haben sich im Zusammenspiel bewährt. Wir freuen uns schon auf die nächste Gelegenheit.

tl;dr

Ein Smartphone ist kein High-End-Videoequipment, aber schon mit wenig Zubehör kannst du ein Maximum aus deinem Gerät herausholen.

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Nach 1214 Tagen, an die 100 spannenden Kundenprojekten, über 20 Events mit Kundinnen und Freunden und geschätzten 3878 Tassen Kaffee wird die tinkla GmbH per 31. Mai 2018 ihren bisherigen Betrieb einstellen. Mehr dazu im Blog: Die einzige Konstante ist die Veränderung
 
Danke an alle, die uns in dieser Zeit ihr Vertrauen geschenkt haben; wir freuen uns auf neue Abenteuer und auf ein Wiedersehen!