Kostenlose Bilddatenbanken: Ein neuer Trend erobert das Netz

Im Netz finden sich immer mehr Bilddatenbanken und Fotocommunitys, die ihre Bilder unter CC0-Lizenz herausgeben – kostenlos, lizenzfrei und ohne Namensnennung. Wir gehen diesem ungewöhnlichen Trend auf den Grund und stellen die besten Quellen vor.

Hochklassiges Foto aus dem Bestand der kostenlosen Bilddatenbank Unsplash. Ein Nachweis wäre hier nicht notwendig. Wir liefern ihn aus Dank aber trotzdem: Das Bild mit dem Titel "Need more Caffeine" stammt vom türkischen Fotografen Sabri Tuzcu.

Hochklassiges Foto aus dem Bestand der kostenlosen Bilddatenbank Unsplash. Ein Nachweis wäre hier nicht notwendig. Wir liefern ihn aus Dank aber trotzdem: Das Bild mit dem Titel «Need more Caffeine» stammt vom türkischen Fotografen Sabri Tuzcu.

von Jürgen Vielmeier, freier Technikjournalist und Blogger. Aktuell ist er Redaktionsleiter vom Euronics Trendblog.

 

 

Auf der Website «Death to the Stock Photo»ist der Name Programm. «Wunderschöne Fotos direkt in Ihr Postfach» heisst es in dem Kollektiv professioneller Fotografen. Wer seine E-Mail-Adresse hinterlässt, wird damit sogleich und kostenlos zum Premium-Nutzer. Eine Suche gibt es nicht, dafür einmal im Monat eine neue Fotolieferung zu einem Thema. Eine kostenlose Bilddatenbank ist das erst einmal nur hintergründig. Bilder lassen sich nicht einfach so herunterladen. Der Nutzer muss selbst ein wenig Einsatz zeigen. Wie ungewöhnlich!

Die Absicht der Anbieter ist klar: Sie wollen weg von der Massenware und von unnatürlich wirkenden Stockfotos. Sie wollen der kreativen Arbeit wieder ein Gesicht geben und hervorragende Bilder zelebrieren. Und sie gehen einen Verbund mit dem Nutzer ein. Die Bilder, die er dort erhält, sind zwar kostenlos und lizenzfrei nutzbar, die Arbeiten wollen aber gewürdigt werden.

Ein Wildlife-Foto aus dem Fundus der "Death To Stock"-Fotografen Patrick Chin, Calen & Kristy Rhome. Auch dieses ist unter CC0-Lizenz, heisst: die Bildquelle müsste eigentlich nicht angegeben werden.

Ein Wildlife-Foto aus dem Fundus der «Death To Stock»-Fotografen Patrick Chin, Calen & Kristy Rhome. Auch dieses ist unter CC0-Lizenz, heisst: die Bildquelle müsste eigentlich nicht angegeben werden.

Ähnliche kostenlose Bilddatenbanken machten in den vergangenen Jahren Schule: Aus Frust über Stockfotos, krakenhafte Bilddatenbanken wie Fotolia und unfaire Vergütungen begannen einige Profifotografen, ihre Bilder kostenlos ins Netz zu stellen. Für alle frei verfügbar.

Bilder kostenlos, nicht wertlos

Einer von ihnen ist Mikael Cho. Der gut vernetzte Jungunternehmer suchte im Jahr 2013 nach Stockfotos für sein neues Startup Crew. Als er keine fand, beauftragte er kurzerhand selbst einen Fotografen. Der nahm hunderte Bilder auf, von denen nur einige später die Crew-Website schmückten. Und der ganze Rest? Cho überredete den Fotografen, die Bilder online zu stellen. Nutzer lud er dazu ein, die Fotos nach Lust und Laune herunterzuladen, zu verändern und für sonstwelche kreativen Zwecke zu verwenden. Die Idee einer kostenlosen Bilddatenbank war geboren.

Beneidenswert schöne Fotos wie dieses findet man unter anderem auf Unsplash.com. Auch hier gilt: eine Quellenangabe wäre dank CC0-Lizenz nicht nötig. Wir tun es nur, um dem guten Mann Tribut zu zollen. Verantwortlich für dieses Werk ist der Fotograf Ray Hennessy.

Beneidenswert schöne Fotos wie dieses findet man unter anderem auf Unsplash.com. Auch hier gilt: eine Quellenangabe wäre dank CC0-Lizenz nicht nötig. Wir tun es nur, um dem guten Mann Tribut zu zollen. Verantwortlich für dieses Werk ist der Fotograf Ray Hennessy.

Das Projekt wurde von Besuchern förmlich überrannt und wenig später in Unsplash umbenannt. Die Seite dient seitdem als Werbemassnahme für Chos Projekte – und für Profifotografen. Diese nutzen die Bekanntheit der Plattform, stellen einzelne ihrer Werke dort aus und werben damit für sich selbst. Besucher, denen ihre Bilder gefallen, können diese dann im Paket kaufen oder die Fotografen für andere Projekte beauftragen. Eine Win-Win-Situation für die Kreativen und für Unsplash.

Kostenlose Bilddatenbanken: Schnell zum gewünschten Foto

In eine etwas andere Richtung geht derweil ein ähnlich junger Trend, der vor allem der Kostenloskultur im Social Web entgegen kommt: kostenlose Bilddatenbanken mit Stockfotos. Im deutschsprachigen Raum machten sich hier vor allem Pixabay und Pexels einen Namen. In diesen Datenbanken sind alle Bilder kostenlos und lizenzfrei nach Creative Commons Zero (CC0). In den meisten Fällen kann man die Bilder einfach auf seiner Webseite oder einem Social-Media-Account einbauen und muss noch nicht einmal die Quelle nennen. Selbst, wenn man Geld mit der Seite verdienen will.

Kostenloses Foto von Pexels, in diesem Falle übernommen von Pixabay. Fotograf: Staniel Cay (CC0-Lizenz)

Kostenloses Foto von Pexels, in diesem Falle übernommen von Pixabay. Fotograf: Staniel Cay (CC0-Lizenz)

Wie kann ein solcher Dienst funktionieren? Schaut man etwas genauer hin, unterscheiden sich Pexels und Pixabay nicht sonderlich von den oben genannten Fotografen-Websites und Communitys. Ihr Bildbestand ist allerdings deutlich grösser und besser durchsuchbar. Pexels hatte nach eigenen Angaben im April 2017 30.000 Stock-Fotos gelistet, die entweder von eigenen Fotografen stammten oder von Drittquellen wie Unsplash geladen und händisch sortiert wurden. Jeden Monat sollen mindestens 3.000 Fotos hinzukommen. Pixabay stand nach eigenen Angaben im selben Zeitraum gar kurz davor, die Marke von 1 Million Stockfotos zu durchstossen.

Profi-Bilddatenbank finanziert kostenlose Bilddatenbanken

Die beiden kostenlosen Stockfoto-Bilddatenbanken sind redaktionell betreut, arbeiten aber nur in ganz kleinen Teams. In einem Eintrag im eigenen Forum schrieb Pixabay-Mitgründer Simon Steinberger im Mai 2014, dass nur er und ein Kollege die ganze Arbeit stemmten: «Pixabay wird durch Spenden und durch recht dezent eingebaute Werbung von Shutterstock finanziert.» Die kommerzielle Bilddatenbank Shutterstock finanziert Pixabay also zu einem grossen Teil. Reich würden beide davon nicht, schreibt Steinberger weiter. Aber die Einnahmen würden ausreichen, um die Server- und Betriebskosten zu decken. Bei Pexels geht ein Dreierteam ganz ähnlich vor.

Auch echte Stockfotos wie dieses Krawattenfoto von Claudio Sotece findet man – kostenlos und lizenzfrei – auf Pixabay.

Auch echte Stockfotos wie dieses Krawattenfoto von Claudio Sotece findet man – kostenlos und lizenzfrei – auf Pixabay.

Die Fotografen, die ihre Bilder auf einer der beiden kostenlosen Bilddatenbanken ausstellen, sind nicht selten blutige Amateure. Sie haben Spass daran, der Welt ihre Schnappschüsse zu zeigen und oft genug gelingen ihnen auch welche, die gut genug dafür sind, den Beitrag eines Bloggers zu zieren. Es gibt aber auch professionelle Stockfotos, wie auf Pixabay etwa vom italienischen Fotografen Claudio Scotece. Er stellt nur einige seiner Werke dort aus. Wem die Bilder gefallen, der kann ihm etwas spenden oder ihn für andere Aufträge buchen. Auf Pexels findet man nicht selten ganze Bildagenturen, die mit einigen ihrer dort ausgestellten Fotos für weitere Projekte werben.

Kostenlose Bilddatenbank als Werbemassnahme

Der Trend ist längst international. Ein Pendant zu Pexels und Pixabay ist etwa StockSnap, eine kostenlose Bilddatenbank für tausende Stockfotos verschiedener Fotografen. Die Bilder können von der Qualität her nur selten mit professionellen Stockfotos mithalten, aber das dürfte den meisten Webworkern nichts ausmachen. Hinter Stocksnap stehen die Gründer der App Snappa, einem Grafikbaukasten. Snappa nutzt Stocksnap als Werbemassnahme und erhofft sich dadurch neue Kunden und Aufträge. Ähnlich Rawpixel. Die Datenbank für kostenlose CCO-Stockfotos wird von einem kleinen Team in London und Bangkok betrieben. Wer die Bilder nutzen möchte, muss sich registrieren und erhält einen werbefinanzierten Newsletter.

Hier lassen wir aus Spass die Bildquelle einmal weg, weil wir es dürfen...

Hier lassen wir aus Spass die Bildquelle einmal weg, weil wir es dürfen…

Die Kostenloskultur lässt auch grössere und gleichzeitig spezialisierte Projekte entstehen. FreePik etwa hat sich auf Vektorgrafiken spezialisiert, bietet daneben aber auch Stockfotos an. Hinter der kostenlosen Bilddatenbank stehen die Gründer der von Google übernommenen Bilder-Weltkarte Panoramio und mittlerweile ein Team von 25 festen und 80 freien Mitarbeitern. Darin schliesst sich automatisch die Frage nach der Finanzierung an. Freepik-Grafiken sind zwar kostenlos, aber nicht mit einer CC0-Lizenz versehen. Die Quelle muss stets angegeben werden – dadurch wird FreePik bekannter. Wer auf die Namensnennung verzichten möchte, kann sich für einen kostenpflichtigen Premium-Account registrieren. Ein klassisches Freemium-Modell also.

Kostenpflichtige Stockfoto-Datenbanken bleiben dennoch gefragt

Stellt sich abschliessend die Frage: Wie reagieren die etablierten, kostenpflichtigen Stockfoto-Dienste auf kostenlose Bilddatenbanken? Die Antwort ist mehrteilig: Sie mischen mit, sie zeigen Präsenz oder sie setzen auf Komfort. Shutterstock – wie oben erwähnt – etwa schaltet Werbung in kostenlosen Bilddatenbanken, wie um zu sagen: Wenn ihr wirklich gute Bilder wollt, kommt ihr zu uns.

Profi-Bilddatenbanken sollen noch ein Quäntchen besser sein, aber auch dieses wunderschöne Sonnenuntergangsfoto stammt von Pixabay und ist lizenzfrei nutzbar. Bild: Kordi Vahle

Profi-Bilddatenbanken sollen noch ein Quäntchen besser sein, aber auch dieses wunderschöne Sonnenuntergangsfoto stammt von Pixabay und ist lizenzfrei nutzbar. Bild: Kordi Vahle

iStock, ein Anbieter von Getty Images, schenkt registrierten Kunden mittlerweile einmal die Woche einige Dateien: ein Bild, eine Grafik und einen Videoclip. Auf Adobe Stock erhalten Neukunden 10 Stock-Bilder kostenlos. Der Dienst, der auf Fotos der übernommenen Datenbank Fotolia zurückgreift, bietet ausserdem eine Monatsflatrate an: 10 Assets für knapp 30 Euro netto im Monat. Wer nur ab und an einmal ein Bild benötigt, könnte bereit sein, diesen kleinen Obolus zu stemmen.

Fazit

Besonders viel wird sich durch kostenlose Bilddatenbanken im Endeffekt gar nicht ändern. Wer hochprofessionelle Fotos braucht, um Kataloge oder Werbung zu bebildern, findet nach wie vor in den etablierten Bilddatenbanken geeignete Ware und muss dafür gutes Geld zahlen. Wer mit einem niedrigen Budget unterwegs ist, der bekommt nun immer öfter Bilder geschenkt – in einer Art und Weise, von der beide Seiten profitieren können. Das macht die kreative Arbeit für Blogger oder junge Kreative ein wenig einfacher. Ein schöner Trend.

Mehr Informationen über Bilder und zahlreiche Links zu Fotografen-Netzwerken und kostenlosen Bilddatenbanken findet ihr im Whitepaper «Bilder und Fotos im Web: Suchen, kaufen und rechtskonform nutzen».

Hier nur eine Auswahl kostenloser Bildquellen:

Fotografennetzwerke und Sammlungen

Death To The Stock Photo

Fotografennetzwerk, das registrierten Nutzern einmal im Monat neue Bilder per Mail kostenlos zustellt. Wer eine Gebühr bezahlt, erhält Zugriff zu allen über 1.500 Bildern und kann diese kostenlos und lizenzfrei nutzen.

Unsplash

Verschiedene Fotografen stellen hier ihre Werke vor, alle 10 Tage kommen 10 neue Bilder hinzu, die in Sammlungen eingeteilt werden. Mittlerweile sind über 1.000 Bilder kostenlos und lizenzfrei nutzbar.

Negative Space

Kleine Kollektion starker Fotos verschiedener Profifotografen. Alle Bilder sind frei nutzbar.

Splitshire

Sammlung des Profifotografen Daniel Nanescu, der sich eines Tages entschloss, einfach alle seiner unverkauften Fotos online zu stellen, frei zur privaten oder kommerziellen Nutzung.

Raumrot

Sammlung des Fotografen Markus Spiske mit über 1.500 Bildern in verschiedenen Kategorien. Alle unter CC0-Lizenz nutzbar.

Kostenlose Bilddatenbanken

Pixabay

Datenbank mit rund 1 Million völlig kostenlos und lizenzfrei nutzbarer Stockfotos.

Pexels

Redaktionell betreute Stockfoto-Datenbank. Derzeit rund 30.000 völlig kostenlos und lizenzfrei (CC0) nutzbare Fotos.

Stocksnap

Datenbank gänzlich kostenloser und lizenzfreier Stock- und Pressefotos mit mehreren hundert neuen Bildern täglich.

Rawpixel

Rawpixel verlangt einen Login, wenn man die vorgestellten Bilder herunterladen möchte. Dann sind sie kostenlos und lizenzfrei.

FreeRange Stock

Hochprofessionell wirkende Datenbank kostenloser und lizenzfreier Stockfotos. Für einen Download muss man sich anmelden.

Die vollständige Liste findet ihr in unserem Whitepaper «Bilder und Fotos im Web: Suchen, kaufen und rechtskonform nutzen».

tl;dr

Es gibt zahlreiche Seiten im Netz, auf denen Webworker heute kostenlose und lizenzfreie Fotos zur kommerziellen Nutzung finden. Teils sind hochprofessionelle darunter, teils Bilder, die nicht ganz mit den etablierten Stockfoto-Datenbanken mithalten können.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hoi Erich,
    stimmt, solche alternativen Suchdienste sind manchmal ebenfalls ganz hilfreich. Danke für den Link dazu.
    Liebe Grüsse, Tanja

  2. Sehr guter Artikel mit einer hilfreichen Übersicht. Was noch fehlt sind Suchmaschinen wie Visualhunt (Visualhunt.com) mit denen man alle möglichen Bilder nach Stichworten von verschiedenen Quellen (wie z.B. Flickr, aber auch andere) suchen kann. Super praktisch: man kann die Copyright Infos direkt copy&pasten.
    Aber man findet natürlich auch ausschließlich CC0 Bilder, wenn man die Filter dementsprechend einstellt.

  3. in der professionellen Werbung wird oft etwas Konkretes benötigt, das es kaum als CC0 gibt und die CC0 sind dann eben nicht exklusiv. Selber habe ich auch viele Fotos CC0 PublicDomain publiziert und eine ganze Community macht mit: zum Thema Graubünden habe ich den Hashtag #GRischashot ins Leben gerufen und eine Datenbank erstellt, da findet man z.b. 1500+ Fotos aus Graubünden, alles CC0, bereits jetzt ein Erfolg, für mich als Websitebetreiber, Fotograf und auch für alle anderen, die mitmachen oder eben tolle kostenlose Fotos brauchen.

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