Online-Kommunikation und Tools: eine Tragödie in zwei Akten.

Wenn wir mit Unternehmen über Tools und Software für die Online-Kommunikation reden, kommen uns oft die Tränen.

(Bild: Jason Rosewell bei unsplash.com)

Wer Online-Kommunikation oder -Marketing, Social Media oder Content Marketing betreibt, braucht die richtigen Werkzeuge. Das Angebot ist inzwischen gut und vielfältig, es gibt für alle Anforderungen etwas. In der Realität ist die Geschichte aber zwiespältig: Trendige Tools werden gedankenlos eingekauft, wichtige Instrumente hingegen werden vernachlässigt.

Akt 1: Da schau her, ein neues Tool – das nehmen wir.

Zu den tinkla-Evergreens gehört die folgende Anfrage: «Unsere Web-Agentur hat uns da ein Blog programmiert. Jetzt wissen wir nicht, was damit machen. Können Sie uns helfen?». Der Impuls, ein Instrument einzusetzen, weil es viele andere tun, ist offenbar stark.

Es wird seriös evaluiert, eingekauft und installiert – bis man merkt, dass niemand an ein Konzept, die Implementierung, den Betrieb oder gar die Befähigung von Mitarbeitenden gedacht hat. Das Corporate Blog ist da wohl der Klassiker, betrachtet man die unzähligen Blog-Leichen, die im Internet am Wegesrand liegen.

Zurzeit sehen wir das Phänomen zum Thema Employee Advocacy: Ein Trendthema, das vielen Unternehmen helfen könnte und für das gute Tools zur Verfügung stehen. Eine Employee-Advocacy-Initiative verlangt aber einiges mehr, etwa die Identifikation geeigneter Mitarbeitender, ihre Befähigung und nicht zuletzt eine Content-Strategie.

Ohne diese Vorarbeiten, so die Prognose, wird die Initiative einen langsamen und qualvollen Tod sterben, dem hilflose Wiederbelebungsversuche vorangehen werden.

Lies hier zum Thema Employee Advocacy:
Was tun, wenn Mitarbeitende nicht Botschafter sein wollen?

Akt 2: Das geht auch mit Excel.

Wisst ihr, wieviele Unternehmen E-Mail-Newsletter via BCC-Feld verschicken? E-Mails an Tausende von Empfängern, versandt vom E-Mail-Account eines Mitarbeiters aus der Kommunikation? Ich weiss es nicht – aber es sind viele.

Abgesehen von möglichen negativen Konsequenzen (Spam, Blockierung durch Mailprovider): Wie kann man seriöses E-Mail-Marketing ohne die Features eines entsprechenden Werkzeugs machen? Die Dokumentation des Double-Opt-in, die Auswertungen und Reportings und damit verbunden das Optimierungspotenzial, die Segmentierung der Empfänger? Die Antwort ist einfach: Es geht nicht. Abgesehen davon, dass sich die Unternehmen in eine rechtliche Grauzone begeben, wird sehr viel Potenzial verschenkt. Der in die Content-Produktion investierte Franken bringt nicht den maximalen Ertrag.

Ein Thema, das mich regelmässig zum Weinen bringt, ist der Einsatz von Customer-Relationship-Management-Systemen. Da wird Inbound-Marketing auf Teufel komm raus gemacht, es wird Traffic auf die Website geschaufelt, und es werden erfolgreich Leads generiert. Bloss: Am Ende läuft alles in ein Excel-File. In eine Tabellenkalkulation-Software.

A propos «anstatt Excel», hier beim Reporting:
Google Data Studio: praktisches Tool für Reports und Datenvisualisierungen

Ich mag Excel, eine tolle Applikation. Wenn man sie dafür braucht, wozu sie entwickelt wurde: Tabellen kalkulieren. Aber Excel ist denkbar ungeeignet dafür, Leads und Opportunities zu verwalten, und den Sales- und Vertriebsprozess zu unterstützen. Wieviel Umsatz geht hier verloren?

Es ist paradox.

Viele Unternehmen beschaffen Tools, ohne einen Plan zu haben. Andererseits verweigern diese Unternehmen ihren Mitarbeitenden die Werkzeuge, um den Job richtig zu machen. Jeder Zimmermann, jede Zimmerfrau, besorgt sich die Werkzeuge, die der Job verlangt. Und zwar nur die. Neue Werkzeuge werden gekauft, wenn der Handwerker weiss, wozu. Wieso schaffen wir das in unserem Thema nicht?

tl;dr

Der gepflegte Werkzeugkasten zeichnet den Online-Profi aus.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Jrene, wir nutzen selbst Salesforce als CRM, seit Beginn. Daneben gibt es unzählige andere Anbieter, von Microsoft über Zoho bis hin zum Schweizer Startup Bexio. Ich glaube, die etablierten Anbieter verfügen alle über ähnliche Features, bzw. die Grundaufgaben erledigen alle gut.

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