Slack als Instrument für Social eLearning

eLearning-Tools gibt es in allen Formen und Grössen. Als wir eins brauchten, sind wir allerdings bei einem gelandet, das eigentlich gar nicht als solches gehandelt wird: Slack. Und das nicht einmal aus Gründen der Hipness.

Kaum zu glauben: Im Notfall wärmt einem Slack sogar die Füsse.
Bild: Nico Lumma, CC BY-SA 4.0 (Vielen Dank!)

In der Vielfalt der verfügbaren eLearning-Werkzeuge werden die unterschiedlichsten Ansätze und Bedürfnisse abgedeckt. Als wir nun für ein Corporate-Training-Mandat nach einem Tool suchten, um Lernsequenzen digital durchzuführen, stand für uns vor allem ein Merkmal im Mittelpunkt: Social by Design sollte es sein. Da wir im Projekt speziell zu Mechanismen der Informationsverarbeitung und der Kommunikation in Netzwerken schulen – Netzwerke von Menschen, nicht im technischen Sinne – schien uns diese Anforderung zentral.

Wir sprechen in diesem Text übrigens vornehmlich von Bildungsprodukten, die Präsenzeinheiten mit digitalen Angeboten ergänzen, nicht von MOOCS (Massive Open Online Courses) oder ähnlichen Gefässen, die ausschliesslich im virtuellen Raum stattfinden.

Wenn der Austausch der Gruppen ausgelagert wird

Aus meiner Erfahrung, sowohl als Studierende wie auch als Dozentin, scheinen mir viele der etablierten Systeme nicht auf einen solchen Social-Schwerpunkt ausgerichtet zu sein. Manche Institutionen behelfen sich zu diesem Zweck mit ergänzenden Facebook-Gruppen neben der eigentlichen Lernplattform. Das ist oft zielführend: Gerade Menschen, die sich in unserem Fach weiterbilden, haben ohnehin einen Account und halten sich dort regelmässig auf. Der Austausch mit der Studiengruppe liegt also quasi «am Weg» und ist auf allen Geräteformen gewährleistet. Diese Idee fiel für uns allerdings weg, weil wir mehr Bedarf an Strukturierung hatten, als Gruppen bei Facebook natürlicherweise ermöglichen. 

Der nächste Gedanke war eine Community bei Google+. So eine diente uns seinerzeit bei Blogwerk als internes Lernwerkzeug: Das Teilen von Inhalten ist durch die allgegenwärtigen Share-Buttons ebenfalls sehr simpel, eine grobe Kategorisierung anhand von hinterlegten Stichwörtern möglich. Die Usability ist allerdings nicht so mühelos wie die von Facebook, zumal in recht regelmässigen Abständen daran rumgekämmt wird. Ausserdem herrscht ein gewisser Wildwuchs an Profilen bei Menschen, die mehrere Google-Accounts bewirtschaften, bei Google+ aber nicht wirklich aktiv sind. Irgendwie nicht mein Favorit.

Übrigens

An der Swiss eLearning Conference vom 12. und 13. April 2016 in Zürich übernehme ich gemeinsam mit Thomas Jenewein von SAP Education die Twitter-Moderation für die virtuelle Konferenz – zur Registration geht’s hier lang, sowohl regulär als auch virtuell.

Unser eigener Thomas bestreitet ausserdem einen Slot am Demofest im Rahmen der Konferenz zum Thema «Selbstgesteuertes Lernen mit Twitter & Co: Bauen Sie sich die eigene Schule» (Link zum Programm).

Slack: Vom Dark Horse zum Mittel der Wahl

Dann: Ah, Slack. Erst war es mehr so ein halb-ernster Einwurf: Wir nutzen Slack zwar selber auch, da aber im klassischen Collaboration-Einsatz. Aber letztlich sage ich meinen Studierenden ja immer, Technologie sei in der Essenz wie unbeschriebenes Papier: Es wird zu dem, was es ist, indem man etwas daraus macht.

Die Eckpunkte auf der initialen Checkliste waren rasch abgehakt:
[x] plattformunabhängig durch Browserversion und Apps
[x] benutzerfreundlich und dialogorientiert
[x] thematische Gruppierung von Inhalten/Themen möglich
[x] simple Integration von Dokumenten und unterschiedlichen Medienformen möglich

Warum also nicht? Lasst es uns ausprobieren.

Onboarding und Akzeptanz

Wenn das Konzept für das Lerngefäss besteht, ist das Setup schnell gemacht. Team anlegen, Channels einrichten, die initialen Materialien und Dokumente einstellen, Gruppenmitglieder einladen. Aufmerksame Leserinnen und Leser fragen sich jetzt: Ja aber haben die denn alle Slack?! Tatsächlich haben wir uns mit Slack für ein Produkt entschieden, das niemand von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zuvor nutzte. Das hat Vor- und Nachteile:

Auf der positiven Seite der Bilanz steht die Einfachheit des Tools: Ein simpel illustrierter Onepager mit Signup- und Download-Instruktionen ist ausreichend fürs initiale Onboarding. Mit den verfügbaren Apps ist die Plattform nebst dem Browser überall verfügbar und schnell zugänglich. Gleichzeitig steht für die auf rund 10 Wochen begrenzte Kursdauer doch ein eigener, vom persönlichen Newskonsum getrennter Raum für das Erarbeiten der Lerninhalte zur Verfügung.

Andererseits: Klar, es ist ein Ding mehr, was installiert, registriert und beachtet werden will. Aber so ist es ja mit dem ganzen Lernprojekt – es erfordert für die definierte Zeit die entsprechende Aufmerksamkeit. Für die rund 10 Wochen der Kursdauer haben wir die Teilnehmenden ausserdem gebeten, zumindest auf einem Device ihrer Wahl Push-Notifications zu aktivieren, so dass sie über neue Meldungen informiert werden.

Soweit alles fein, aber da geht noch mehr

Das Projekt ist noch nicht am Ende, aber unser Zwischenfazit zu Slack als Plattform unserer Wahl ist grundsätzlich positiv. Die von mir beschriebenen und zunächst einmal angenommenen Vorteile haben sich grösstenteils bestätigt. Ein Punkt, der mir erst beim Arbeiten auffiel: Es ist nicht ganz simpel, Aufgabenstellungen zugänglich bzw. sichtbar zu halten – gerade weil die Erfüllung grösstenteils im Dialog liegt, verschwinden solche Dinge dann gerne weit hinten im Feed. Dem kann man aber mit entsprechender Gestaltung der einzelnen Channels oder der Stückelung der Aufgabenstellungen beikommen.

Wir bilden in diesem Pilotversuch vornehmlich asynchrone Lerneinheiten online ab – das heisst, jede und jeder leistet seinen Beitrag dann, wenn er oder sie innerhalb der definierten Zeitspanne die Gelegenheit und Zeit hat. Aufgrund der gemachten Erfahrungen denke ich jedoch, dass wir durchaus auch mit Live-Elementen arbeiten könnten – zumal erst vor kurzem berichtet wurde, dass wohl bald Videochat-Funktionen integriert werden sollen. Ausserdem hat sich rund um Slack ein ganzes Ökosystem an Integrationen anderer Werkzeuge gebildet. Da muss ich unbedingt nochmals eine Rechercherunde einlegen, um mir einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen.

Für unsere momentanen Bedürfnisse jedenfalls hat sich Slack durchaus bewährt.
Es deckt sicherlich einige Anforderungen an klassische Systeme nicht ab – wo jedoch der Social-Aspekt ein zentraler Eckpunkt ist, lohnt es sich, sich das mal anzuschauen.

tl;dr

Viele Plattformen lassen sich über ihre angedachte Bestimmung hinaus entlang der eigenen Bedürfnisse aufbohren – sofern man diese gut kennt und benennen kann.

  • Veröffentlicht in: Tools

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