Warum Virtual Reality bald auf deinem Marketing-Plan stehen wird

In nicht allzu ferner Zukunft wird Virtual Reality zum Instrumentarium der Unternehmenskommunikation und des Marketings gehören. Ein Überblick zu Hardware, Plattformen und Anwendungsmöglichkeiten.

Johnny Mnemonic (Bild: Sony Pictures)

Johnny Mnemonic (Bild: Sony Pictures)

Es hat einige Jahrzehnte und viele Science-Fiction-Filme lang gedauert, aber jetzt ist es soweit: Virtual Reality wird Bestandteil unseres Alltags werden. Die Hardware ist bereit und kann zu erschwinglichen Preisen gekauft werden. Die grossen Online-Unternehmen arbeiten daran, Virtual Reality in ihre Plattformen zu integrieren. Facebook hat sogar ein Hardware-Unternehmen gekauft – ein deutlicher Hinweis darauf, wie viel Potenzial Mark Zuckerberg in Virtual Reality sieht. Und die ersten Unternehmen probieren aus, wie sich Virtual Reality in der Unternehmenskommunikation einsetzen lässt; die Resultate sind teilweise sehr beeindruckend. Die Zeichen sind also nicht zu übersehen: Virtual Reality wird das grosse Thema in den Marketingabteilungen.

Die Technologie für Virtual Reality ist da

Der Markt für Virtual-Reality-Equipment brummt. Samsung hat seit einiger Zeit die Samsung Gear auf dem Markt. Diese Brille funktioniert zusammen mit einem Smartphone, das man vorne in das Headset einlegt und als Display dient. Das erste Samsung-Modell ist für das Note 4 gedacht, das entsprechende Headset für das neue Galaxy S6 ist je nach Land schon erhältlich. Die Geräte, die von Oculus VR hergestellt werden, sind äusserst erschwinglich: 200 Dollar kostet das Samsung-Headset. Das Prinzip mit dem eingelegtem Smartphone hat Google mit der Google Cardboard realisiert – allerdings ungleich günstiger. Das Headset besteht aus Karton, funktioniert mit allen gängigen Smartphones, muss vom User zusammengefaltet werden und ist für 20 Dollar zu haben. Nach eigenen Angaben hat Google bisher über eine Million dieser Falt-Sets verkauft; eine neue Version wurde vor einigen Tagen auf der Google I/O angekündigt.

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Der taiwanesische Hersteller HTC wird Ende 2015 die HTC Vive auf den Markt bringen. Dieses Headset unterscheidet sich dadurch, dass, das Display in der Brille integriert ist und ein Computer benötigt wird. HTC konzentriert sich auf den Spielemarkt und wird auch passende Controller verkaufen. HTC konkurrenziert damit die Oculus Rift, die im ersten Quartal 2016 auf den Markt kommen soll. 2012 als Kickstarter-Projekt gestartet wurde die Firma Oculus VR im März 2014 von Facebook gekauft – nach Medienberichten für 2 Milliarden Dollar.

Die Plattformen sind bereit

Auf den ersten Blick erstaunlich: Facebook kauft sich einen Hardware-Hersteller. Das macht Sinn, wenn man bedenkt, wie Facebook die Zukunft der eigenen Plattform sieht: Zu Beginn waren auf dem sozialen Netzwerk nur Status-Updates in reiner Textform möglich. Später kamen Bilder dazu, dann die Videos (und animierte GIFs, seit einigen Tagen). Als nächste Evolutionsstufe der Status-Updates sieht Facebook den Virtual-Reality-Beitrag, wie Martin Ott, Managing Director bei Facebook, an der Berliner Media Convention im Mai erzählte. Facebook hat an seiner diesjährigen Entwicklerkonferenz f8 VR ebenfalls Virtual Reality zum Thema gemacht.

GoPro 360 Camera Array

GoPro 360 Camera Array

Google will da nicht hinten anstehen: Seit diesem Jahr unterstützt YouTube 360-Grad-Videos, die mit VR-Headsets angesehen werden können. Und an der Google I/O wurde vor wenigen Tagen eine neue Virtual-Reality-Plattform namens Jump angekündigt. Google spannt mit GoPro zusammen. GoPro wird mit GoPro Array ein Produkt auf den Markt bringen, mit dem 360-Grad-Aufnahmen möglich werden: Eine futuristisch anmutende Kamerahalterung, die mit 16 GoPro-Kameras ausgestattet ist.

Erste Marketers beginnen zu experimentieren

Die Herkunft einiger Headset-Hersteller zeigt es: Virtual Reality hat seine Wurzeln im Gaming-Bereich. Nichtsdestotrotz experimentieren erste «branchenfremde» Unternehmen mit Virtual Reality. Die Hotelkette Marriott hat vor einem Standesamt in New York Teleporter aufgestellt: Frisch vermählte Paare konnten sich nach der Trauung per VR in die Flitterwochen ihrer Träume «beamen» lassen. Destination BC, die Tourismus-Vermarktungsorganisation im kanadischen British Columbia, hat dieses Jahr «The Wild within VR Experience» veröffentlicht. Mit Oculus Rift können sich potenzielle Besucher dreidimensionale Videos ansehen und sich von einem Touristen-Guide durch den Wald lotsen lassen – einfach sehr schönes Storytelling.

Im letzten Herbst hat Volvo in den USA eine erste VR-Marketing-Massnahme für den neuen Volvo XC90 realisiert. Das Modell hatte bei der Ankündigung viel Interesse ausgelöst, konnte aber in den Verkaufsstellen noch nicht besichtigt werden. Also hat Volvo eine virtuelle Testfahrt von 60 Kilometer als VR-Film für Google Cardboard realisiert. Wer noch nicht glaubt, dass das Thema im Mainstream angekommen ist: Erste Schweizer Architekten sind daran, potenziellen Käufern noch nicht gebaute Häuser mit Virtual Reality zu zeigen – eine Anwendung, deren (Wettbewerbs-)Vorteile auf der Hand liegen. Und: Dave Bruno vom Innovationslabor der UBS hält Virtual Reality für geeignet, um die eigene Anlagestrategie festzulegen.

Das Erlebnis ist ziemlich beeindruckend

Einer der Gründe, weshalb ich glaube, dass Virtual Reality in der nahen Zukunft zu einem grossen Thema wird: Die Erfahrung ist einfach umwerfend. «As if you where there», wie wenn man dabei wäre, ist die häufigste Äusserung, die man von Produzenten und Konsumenten hört. Und tatsächlich: Eine simple Demo wie die Fahrt auf einer virtuellen Achterbahn überzeugt von der Wirkung dieser Apps und Filme. Offenbar kann unser Gehirn gar nicht anders als glauben, was man da sieht. «Immersion» nennen die Wissenschaftler dieses Phänomen, das Abtauchen in künstliche Welten. Das ist in dem Sinne nicht neu – wer sich ab und an in ein Buch vertieft, kennt diese Erfahrung; Kino und PC-Gaming arbeiten ebenfalls daran, dass wir alles um uns herum vergessen und versuchen, die Umwelt so realistisch wie möglich erscheinen zu lassen. Die Erfahrung mit einem VR-Headset ist allerdings um Dimensionen intensiver – was sich auch darin zeigt, dass es einigen Testpersonen bei uns im Büro nach der Rollercoaster-Fahrt ziemlich flau im Magen war (Motion Sickness ist tatsächlich auch noch für viele VR-Hersteller und -Programmierer eine Herausforderung – wer kauft etwas, von dem einem ständig schlecht wird?)

Ist es nicht nur ein Hype?

Virtual Reality wird im Marketing und der Unternehmenskommunikation auf der Agenda landen, davon bin ich fest überzeugt. In ein paar Monaten bringen die grossen Hersteller ihre Flaggschiff-Produkte auf den Markt. Alle werden dafür vernünftige Preise um die 200 bis 300 Dollar ansetzen. Die Online-Unternehmen arbeiten daran, VR-Experiences in ihre Netzwerke zu implementieren oder Plattformen dafür zur Verfügung zu stellen. Der Boden wird bereitet: Konsumenten werden die benötigte Hardware zu Hause haben und wissen, wie man sie nutzt. Grösste Hürde dürfte im Moment die Produktion entsprechender Inhalte sein. Das Aufnahmeequipment ist nicht günstig, die Software für das Produzieren der Filme und das 3D-Rendering ist nicht gerade auf jedem Laptop installiert. Ausserdem müssen überzeugende Inhaltskonzepte her, die mit entsprechendem Aufwand und Skills umgesetzt werden müssen.

Der erste Schritt: Google Cardboard kaufen und eigene Erfahrungen machen

Virtual Reality wird für Unternehmen ein Thema werden – allerdings ist das zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund, in Aktionismus zu verfallen. Ein erster guter Schritt: Sich selbst davon überzeugen, was Virtual Reality für eine Wirkung hat, und was es mit unserem Gehirn anstellt. Der günstigste und einfachste Weg dazu ist eine Google Cardboard: Die wird z.B. von Google oder hier aus der Schweiz für rund 20 Franken verkauft. Die Apps dazu gibt es kostenlos im Google Play Store, teilweise sind sie für das iPhone erhältlich. Meine Empfehlung: Cardboard bestellen, Roller Coaster (Play Store oder App Store) auf dem Smartphone installieren und einen ruhigen geschlossenen Raum im Büro suchen. Denn du willst nicht, dass die Kollegen deine Schreie auf der Achterbahn hören.

tl;dr

Facebook hat sich einen Produzenten von Virtual-Reality-Headsets gekauft. Volvo setzt Virtual Reality im Marketing ein. Die Immobilienbranche nutzt es und die UBS denkt über VR nach. Virtual Reality ist mehr als nur ein Hype – also Google Cardboard kaufen und selbst ausprobieren.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Somit wird Customer Experience (und sowieso Experience allgemein) die zentrale Rolle sein. Schon schräg, dass VR seit 30 Jahren ein Thema ist und die Zeit für eine Revolution erst jetzt angebrochen ist. Bin gespannt!

  2. Ich hab das Gefühl, dass es sehr schnell gehen wird – einfach auch, weil es so leicht ist, die Leute (aka Entscheider) mit Demos zu überzeugen. Ganz anders als “abstraktere” Konzepte wie etwa Social Media…

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